Vermögenskurve

Welche Fragen beantwortet eine gute Planung?

Eine Ruhestandsplanung ist so gut wie die Fragen, die sie beantwortet. Diese sieben sollte sie konkret und in Zahlen beantworten können — nicht mit Bauchgefühl.
Stand: Juli 2026 · Lesezeit ca. 6 Min. · Alle Artikel

1 · Wie lange reicht mein Geld?

Die Kernfrage. Die Antwort ist ein Alter, kein Gefühl: „Im Basispfad bis 94, im schlechtesten historischen Szenario bis 81." Erst wenn beide Zahlen auf dem Tisch liegen, weißt Du, ob Du ein Rendite-Problem hast, ein Entnahme-Problem — oder gar keins.

2 · Wann kann ich in Rente gehen?

Nicht das gesetzliche Rentenalter ist die Grenze, sondern Dein Vermögen. Eine gute Planung rechnet die Frage rückwärts: Bei welchem Rentenalter geht der Plan auf — und was kostet jedes Jahr früher? Oft sind es überraschend konkrete Beträge, die zwischen 63 und 67 liegen.

3 · Wie viel darf ich monatlich entnehmen?

Die Umkehrung von „Was ist Deine Zahl?": Gegeben Dein Vermögen und Deine Rentenströme — welches Wunscheinkommen trägt der Plan dauerhaft? Und wie ändert sich die Antwort mit der Entnahmestrategie?

4 · Was passiert bei einem Crash direkt am Anfang?

Die Frage, an der Durchschnittsrechnungen scheitern. Eine gute Planung testet Deinen konkreten Plan gegen historische Krisenjahrgänge — Rentenstart 1929, 1973, 2000, 2008 — statt gegen eine glatte 6-Prozent-Linie. Warum genau diese Jahre den Unterschied machen, steht im Artikel zum Renditereihenfolge-Risiko.

5 · Wie viel Steuern zahle ich in der Rente?

In Deutschland keine Nebensache: Abgeltungssteuer und Vorabpauschale auf das Depot, Besteuerungsanteil auf die gesetzliche Rente, gegebenenfalls progressive Einkommensteuer und Kirchensteuer. Zwischen Brutto-Entnahme und Netto-Verfügbar liegen schnell mehrere hundert Euro im Monat. Eine Planung, die Steuern pauschal ignoriert, liefert eine falsche Zahl.

6 · Was ändern Immobilie, Kredit oder Verkauf?

Immobilien sind für viele der größte Vermögensposten und zugleich der unhandlichste: Mieteinnahmen, laufende Kredite, ein geplanter Verkauf mit 70. Jeder dieser Bausteine verschiebt Entnahmen, Steuern und Reichweite. Eine gute Planung führt sie als eigene Ströme auf der Zeitachse — nicht als Fußnote.

7 · Welche Stellschraube wirkt am stärksten?

Sparrate erhöhen, später in Rente, Wunsch senken, Allokation ändern? Die ehrliche Antwort ist bei jedem anders. Der Wert einer Planung liegt genau hier: Du drehst an einer Schraube und siehst sofort, was sie bewegt — bevor Du die Entscheidung im echten Leben triffst. Warum das nur mit einem vollständigen Lebensplan funktioniert, statt mit Einzelrechnungen, ist ein eigenes Thema.

Der Test für jede Planung

Ob Excel, Berater oder Software: Stelle diese sieben Fragen. Wo die Antwort ein Alter, ein Betrag oder ein Prozentsatz ist, ist die Planung gut. Wo die Antwort „kommt darauf an" bleibt, ohne dass Du das Darauf-Ankommen selbst durchspielen kannst, fehlt das Werkzeug.

Quellen und Grundlagen

  • Bengen, W. P. (1994): Determining Withdrawal Rates Using Historical Data — Frage 1 (Reicht das Geld?) als historische Fenster-Frage.
  • Blanchett, D. (2021): Life Expectancy and Retirement Planning, Journal of Financial Planning — Planungshorizont und Puffer.
  • Statistisches Bundesamt — Sterbetafel; Deutsche Rentenversicherung — Renteninformation.
  • § 22 EStG, § 32a EStG, § 18 InvStG — die drei Steuerstellen, an denen Excel-Pläne meist scheitern.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Historische Darstellungen sind keine Prognose künftiger Wertentwicklung.

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